Montage.

Die Arbeitswelt neu gedacht.

Der Kundenwunsch steht bei BMW an erster Stelle. Heißt: Der Kunde bestimmt, wie sein Traumwagen auszusehen hat. In der Münchener Fahrzeugmontage fertigen rund 2.600 Mitarbeiter täglich etwa 1.000 Automobile und erfüllen damit diese Wünsche termingerecht und in Pre­mium-Qualität. Flexibilität wird hierbei groß geschrieben. Mehr als 20.000 Innenraumvarianten sind allein bei der BMW 3er Limousine und beim BMW 3er Touring möglich. Diese Vielzahl an Ausstattungsmöglichkeiten kann nur durch enorme Fertigungsflexibilität beherrscht werden. Schon in der frühen Entwicklungsphase eines Fahrzeugs planen Entwickler und Montageplaner gemeinsam mit Logistikern und Produktionsspezialisten die mehreren hundert Arbeitstakte und Montagevorgänge. Mit ihrem er­worbenen Wissen und Können komplettieren die Mitarbeiter gemäß Kundenauftrag das Fahrzeug in präzise aufeinander abgestimmten Arbeits­schritten: vom Kabelbaum über den Dachhimmel bis zum Scheinwerfer, vom Cockpit bis zum Stoßfänger, vom Rückspiegel bis zu den Sitzen. Dabei stellen die hochqualifizierten Mitarbeiter eigenverantwortlich die Qualität der einzelnen Schritte im gesamten Produktionsprozess sicher. 

KOMPRESSION

Um das Stammwerk auf künftige Fahrzeuggenerationen und Antriebs­varianten sowie die Anforderungen der Elektromobilität vorzubereiten, wurde eine Erweiterung der bestehenden Montagestrukturen erforder­lich: das Gebäude 16.3 im Herzen des Werkes. Neben den zusätzlichen Flächen für Montage und Logistik umfasst es auf den zwei oberen Etagen neue Büros, die der Werkleitung und diversen Planungsabteilungen ideale Rahmenbedingungen und moderne Arbeitswelten bieten. Das Gebäude wurde als dreiseitiger Anbau in eine vorab geschaffene Freifläche integ­riert. Alle Übergänge zu den benachbarten Gebäuden wurden sukzessive geöffnet, so dass die Anmutung einer homogenen Fläche aus Neubau und bestehenden Gebäudeteilen entstand. 

PROFESSIONALISIERUNG

Aufgrund der sehr beengten Situation musste während der gesamten Bauphase mit dem Spannungsfeld fehlender Freiflächen umgegangen werden. Es gab nahezu keine Fläche, welche über einen längeren Zeit­raum für die Baustelleneinrichtung zur Verfügung stand. Daraus ergab sich die Herausforderung, so wenig Fläche wie möglich zu benötigen und sämtliche Elemente und Module just in time anzuliefern und zu verbauen. Dies gelang unter anderem durch modulares Bauen und der Fertigteilbau­weise nach dem Lean Construction Prinzip, einem eng getakteten und transparenten Termin-Monitoring, woraus sich eine planbare und vor allem verlässliche Baulogistik ableiten ließ. Zudem war sicherzustellen, dass die Fahrzeugproduktion in den angrenzenden Gebäuden jederzeit störungs­frei und auf Premium-Niveau von statten gehen konnte. Ein hohes Maß an Professionalisierung, sprich eine enge Verzahnung und ein regelmäßi­ger Austausch mit den Schnittstellenpartnern der Montage und Logistik, war die Grundlage für das Gelingen dieser Aufgabenstellung. 

Als prägnantes Beispiel sind die Sicherungsmaßnahmen für den an­grenzenden Motorenbau zu nennen. Hier wurden sämtliche Zugänge mit Staubschutzmaßnahmen (Schleusen) ausgestattet und der komplette Gebäudekomplex unter Hochdruck gesetzt. Somit hatte selbst Feinstaub keine Chance, sich in den hochempfindlichen Motoren und Komponenten abzulagern. 

ZUKUNFTSFÄHIGKEIT

Auf den neu geschaffenen Produktionsflächen werden unter anderem Komponenten für das 48-Volt-Bordnetz in die Fahrzeuge eingebaut. Zu­dem stehen nun Flächen zur Verfügung, um künftige Fahrzeugmodelle wie den vollelektrischen BMW i4 in die Fertigungslinie zu integrieren. Neben Logistik- und Montagebereichen für Hochvoltspeicher (Batterien) existieren nun Freiflächen, um auf zukünftig erforderliche Umbaumaß­nahmen im direkten Umfeld vorbereitet zu sein. 

GEMEINSAME KULTUR

Die BMW Group lebt nach einer gemeinsamen Kultur. Die Werte Offen­heit, Wertschätzung, Transparenz, Vertrauen und Verantwortung stellen hierbei die Basis für das tägliche Miteinander dar. Um diese Werte mit Leben zu erfüllen, spielt Kommunikation eine herausragende Rolle. Die neu geschaffenen Büroflächen bieten hierzu bestmögliche Vorausset­zungen. Im Zentrum des Werkes – eng eingebunden in den Produktionsgebäuden – entstand ein für alle wahrnehmbarer Raum für eine stärkere Vernetzung der Büro- und Produktionsmitarbeiter. Eine besondere Signal­wirkung haben hierbei die offen integrierten Arbeitsplätze der Werkleitung. Die Führungskräfte sind somit für alle Mitarbeiter sichtbar und ansprech­bar. Hierarchiegrenzen werden abgebaut, eine neue, agile Art der Zusam­menarbeit wird gefördert und erlebbar. 

Der ganzheitliche Ansatz der BMW Group Arbeitswelten mit einem „5+1 Zonen"-Konzept zielt dabei auf wesentliche Veränderungen in den Dimensionen Verhalten und Kultur, Arbeitsprozesse und Infrastruktur ab. Die einzelnen Zonen bieten dabei ideale Arbeitsumgebungen für das je­weilige Tätigkeitsprofil: Concentrate, Communicate, Collaborate, Enclose und Relax, ergänzt um Connect – die virtuelle Zusammenarbeit. 

Eine attraktive Gestaltung der Büros durch stimmiges Mobiliar, aus­gewogene Materialien und Farben macht die Unternehmensidentität spürbar und wirkt sich positiv auf das Betriebsklima aus. Die BMW Group Arbeitswelten schaffen die Grundlage für eine neue Art der Zusammen­arbeit. Keine zugeordneten Arbeitsplätze, sondern die Nutzungsprinzipien des „Flexible Office" ermöglichen die bestmögliche Nutzung der Arbeitsflächen. 

Zonierung

Nach einer Analyse der Arbeitstypologien wurden in gemeinsamen Co­Design-Workshops die Flächen zoniert. Dabei wurden auch die interdiszi­plinären Teams definiert, welche das Gebäude beziehen. Rückzugs- und Konzentrationsbereiche wurden dabei bewusst „leise" an unbelebteren Teilflächen des Gebäudes platziert. Kommunikations- und Kollaborations­flächen finden sich an belebten Punkten. Klar definierte Kommunikationsflächen grenzen sich von Räumen für Konzentration und Kollaboration ab. Innerhalb der Kommunikationsbereiche finden sich offene Kommuni­kationslösungen sowie akustisch abgetrennte, aber transparente Bespre­chungsräume. Erholung kann in großzügig dimensionierten Teeküchen erfolgen, die auch für informellen Austausch mit Lounge Mobiliar ausge­stattet sind. 

AMBIENTE

Das Farbkonzept spiegelt die Zonierung des Gebäudes wider und macht diese ergänzend ablesbar. Innerhalb der BMW Corporate ldentity erfolgt ein unterschiedlicher Einsatz von Wand- und Stofffarben. Die BMW Cor­porate ldentity Foliengestaltung rundet dabei das Bild ab, ohne die Trans­parenz der Räume einzuschränken. Relax Bereiche werden dabei bewusst wärmer und wohnlicher gestaltet. Die Außenbereiche wurden als Erho­lungsinseln über den Dächern des Werkes in das Konzept einbezogen. 

Die Einführung der BMW Group Arbeitswelten erfolgt dabei zum ers­ten Mal pilothaft in einem Werkskontext unter Mischung der Funktionen Büro und Produktion. Weitere Bürobereiche werden in naher Zukunft dem Vorbild 16.3 folgen. Neben der Lage und der Funktion ist es vor allem die neue Art der Kommunikation, des täglichen Austausches, welche dem Bauwerk die Funktion des neuen Herzens des Stammwerkes verleiht. Kurze Wege der Mitarbeiter verschiedener Technologien aus der Montage und der Logistik und dem benachbarten Motorenbau untermauern diese Bedeutung. 

ARCHITEKTURSPRACHE

Hinsichtlich der Außenfassade wurde erstmals im weltweiten Produk­tionsverbund die BMW Corporate ldentity mit den neuen Group Standards für Farbgebung und Optik realisiert. Hervorzuheben ist hierbei die Eleganz und Zurückhaltung der gewählten Architektursprache. Die Büroflächen zeichnen sich durch eine angenehme Raumakustik, gute Raumluftquali­tät, tageslichtorientierte Arbeitsplätze und vielfältig nutzbare Freiräume aus. Ruhezonen und Zonen der Kommunikation differenzieren sich durch Farbgebungen, fantasievoll arrangierte Freiflächen stellen den Bezug zur Umgebung her.